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28 Februar 2010

eBook


Wenn man der Presse glauben will, dann hat das Buch ausgedient. Man liest nun auf einem eBook. Jeder, der eine Bibliothek hat und umzieht, wird von einem eBook träumen. Der Inhalt der gelesenen Bücher wiegt unsäglich weniger, als all die Bücherkisten. Die Lektüre über ein eBook mag auch Sinn machen, wenn man sich auf das Angebot beschränken will, welche von unseren mainstream-Buchhandlungen und Buchklubs angeboten werden. Diese Bücher kann man am besten mit der «DEL» -Taste speichern. Ein eBook im Zug hervorzunehmen und so zu tun, als wenn man lesen würde, das ist mega cool und man gehört dadurch zum Club.
Ein kleines Detail macht mir jedoch Kopfzerbrechen: Bisher habe ich nur den Reader gesehen, was ist mit den Büchern? Wo finde ich die Bücher, welche mich interessieren, und welche in der Sprache geschrieben sind, welche ich spreche?

Ganz anders verhält es sich mit dem eBook für Noten. Das ist tatsächlich eine Be-reicherung. Auch da gilt, dass umfangreiche Kilo-schwere Notensammlungen in einem einzigen Gerät gespeichert sind und dass man zum umblättern ein Fusspedal hat und demnach beide Hände weiter zum spielen zur Verfügung stehen.

24 November 2009

Jean Ziegler


Jean Ziegler ist engagiert und kann niemanden kalt lassen. Er argumentiert emotional, extrem und völlig subjektiv. Ich konnte nie verstehen, dass ein Mann, welcher beruflich der akademischen Redlichkeit verpflichtet ist, privat so parteiisch und tendenziös argumentieren konnte. Oder pflegt man an der Uni Genf evtl. andere akademische Werte? Vielleicht kommt seine einseitige Weltsicht auch aus der empirischen Soziologie, wo er nur das wahrnimmt, was in sein Konzept passt.
Eigentlich widerstrebte es mir, diesen Autor durch den Kauf seines neusten Buches finanziell zu unterstützen, doch der Titel «Der Hass auf den Westen» ist ein Thema, welches mich interessiert.
Selten hat ein Wort von Reich-Raniki so zugetroffen, wie auf dieses Buch: «Mit den Büchern verhält es sich wie mit einer Suppe, man muss sie nicht völlig auslöffeln, um zu wissen, dass sie schlecht ist.» Eigentlich findet man in diesem Buch nichts mehr, als was auf dem Umschlag aufgeführt ist. Man kann sich die Lektüre der 264 Seiten durchaus sparen. Darin handelt es sich um eine Anreihung von Anekdoten und geschichtlichen Ereignissen, belegt mit Zahlen, Namen und Details, bei denen man sich oft fragt, was sie mit diesem Thema zu tun haben. Die Grausamkeiten unserer Geschichte werden lediglich auf jene im Bezug auf die südlichen Völker reduziert. Mit der gleichen Logik könnte die Schweiz die Schreckenstage von Nidwalden aufführen, um Reparationen von Frankreich zu fordern.
Es ist viel Unrecht geschehen in der Geschichte. Niemand, kein Land keine Organisation und keine Religion hat eine weisse Weste. Wir sollten aus der Geschichte lernen, um nicht die gleichen Fehler wieder zu begehen. Geschichte darf jedoch nicht dazu dienen, um eigenes Versagen zu legitimieren und mit Schuldzuweisungen Reparationen zu verlangen. Damit würden wir uns der gleichen beschämenden Praktiken bedienen, wie jüdische Organisationen auch noch heute versuchen, Geld zu erpressen.
Das Buch von Jean Ziegler ist einseitig, indem es sicherlich vorhandene Ressentiments zu legitimieren versucht, ohne diese wirklich analysieren zu wollen.