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21 Mai 2010

Mehr verdienen


Mit dem Titel: «Mehr verdienen» wirbt die Zürich Business School für einen Ausbildungskurs. Prägnanter könnte man den neuen Zeitgeist nicht mehr illustrieren. Schulen sollen Wissen und Können zum besseren Verstehen vermitteln. Der Titel müsste eigentlich heissen: «Besser verstehen durch mehr Wissen».
Man kreidet im Moment die Gier unserer Manager an. Offenbar werden sie dazu von unseren Business- Schulen ausgebildet.

09 Mai 2010

Bonus


Die Banken können angeblich das völlig aus dem Ruder gelaufene Bonus-System nicht ändern, weil sie sonst gute Mitarbeiter verlieren würden. Bei der UBS ist eine ganze Abteilung mit den Kunden, zu der Konkurrenz übergelaufen und das mit 60Mia Anlagevermögen. So what?
Diese Argumentation verrät viel, über das Qualitätsdenken dieser Bank und über deren falsche Logik:
a. Ein guter «Banktext: höchstqualifizierter» Kundenberater ist einer, welcher hohe Kundenzuwachsraten generiert.
b. Ein «qualifizierter» Kundenberater ist nur durch ein hohes Einkommen, sprich Boni zu motivieren.
c. Kunden folgen blind dem Kundenberater, welcher ihnen die höchsten Renditen verspricht.
Um es gleich zu sagen, die UBS sollte froh sein, solche Mitarbeiter und solche Kunden los geworden zu sein.
Das Problem bei der ganzen Geschichte ist, dass trotz dem Gerede von Nachhaltigkeit, von Qualität und Solidität, sich immer noch alles um das Volumen dreht. Hohe Umsätze werden immer noch mit erfolgreichem Geschäften gleichgesetzt.
Man weiss es längst besser, aber diese alten und dummen Verhaltensmuster können offenbar nicht ausgetilgt werden.

28 Februar 2010

HRM Krücken


Ich hatte einen Kollegen, der war ein ausgebildeter Schreiner. Da er von einer Teppichetagen-Tätigkeit träumte und eine ambitiöse Frau hatte, bildete er sich weiter und landete im Versicherungsaussendienst. Von dort gelang es ihm, Unter-nehmensberater zu werden. Leider genügte es in dieser Tätigkeit nicht, sich tadellos zu kleiden, bald gab es deshalb Probleme mit Kunden und Arbeitskollegen. Er musste sich weiterbilden und gelangte über die Jahre zu einer beindruckenden Liste von Diplomen. Seine Visitenkarte war überfüllt mit diesen Angaben, kaum konnte man noch den Namen finden. Doch im Beruf hat sich nicht viel verändert - nach wie vor war er das Ziel von Belustigungen, er war konstant überfordert und einfach geistig zu schwerfällig, um seine Aufgabe korrekt und effizient ausüben zu können.

Ob einer für einen Job etwas taugt, kann man sicherlich nicht aus seinen Diplomen ersehen.
Es muss deshalb verwundern, dass heute die Personalverantwortlichen solchen Wert auf diese oft unnützen Papiere legen. Könnte es daran liegen, dass sie sich damit absichern wollen, weil sie nicht in der Lage sind, die Spreu vom Weizen trennen zu können? Benutzen sie solche Diplome und die vordefinierten Jobprofile wie Check-listen, wo man einfach abhaken kann, was benötigt wird und wo man nichts mehr dazu denken muss?

19 Januar 2010

Arbeit

Mein Ausstieg aus dem Arbeitsleben erfolgte durch eine fristlose Kündigung. Es war mir ein schwacher Trost, dass mein ehemaliger Arbeitgeber die meisten seiner Mitarbeiter auf diese Weise entlassen hat. Längst habe ich ihn in den Konkurs getrieben und er wurde mehrfach für sein Verhalten verurteilt. Die Verletzung bleibt.
Obwohl man heute mehr von einem Job, als von einer Arbeit spricht, kommt es unweigerlich, dass der Arbeitnehmer sich mit seiner Firma identifiziert, sich einsetzt und dass eine starke Beziehung zu seiner Firma entsteht. So sollte es auch sein und ein HRM, welche sich nicht nur auf die Personaladministration und die Kosten konzentriert, sollte auch alles tun, um eine Firmenkultur zu unterhalten und die Bindung des Mitarbeiters zu fördern. Sollte – die Realität ist weit davon entfernt.

Ich habe immer gerne gearbeitet und ich kann deshalb kaum verstehen, warum heute so viele Leute behaupten, Arbeit mache krank. Doch die Arbeitswelt scheint sich geändert zu haben, nicht zu letzt wegen dem – fast möchte ich sagen verantwortungslosen - Verhalten der Arbeitgeber. Der Mitarbeiter ist nicht mehr Träger von Know-how und Erbringer einer Leistung, er wurde reduziert auf einen Kostenfaktor, welchen man beliebig verändern kann. Natürlich gehört zum Kostenmanagement eine bessere Rentabilität – mit weniger mehr erreichen. Die Arbeit wird auf weniger Leute verteilt, welche mehr arbeiten. Am Schluss, wenn sie wegen der gestiegenen Sozialkosten und breiter Erfahrung unbequem, oder wie es heisst, zu wenig flexibel werden, ersetzt man sie durch junge Leute, ohne Verdankung und wie in meinem Falle, möglichst fristlos. The «return of investment» wird nicht auf sich warten lassen.

30 Dezember 2009

Anpassung


Wir leben in einer schnelllebigen Zeit in der es gilt, sich konstant neuen Situationen anpassen zu können. Flexibilität und Mobilität sind die Voraussetzungen im Über-lebenskampf in dieser neuen Welt. Die Anpassung an neue Situationen kann aber auch zu einer Anpassungsmentalität führen, mit Charakterlosigkeit und Identitätsverlust gleichzusetzen ist. So kann man heute feststellen, dass der Mut zur Andersartigkeit generell verloren geht, man muss mit dem Mainstream mitgehen, sonst gilt man als Aussenseiter, Reaktionär, oder wird in die Extremistenecke gestellt.
Stolz sein, auf etwas Erreichtes und dieses verteidigen zu wollen, heisst sich seiner Werte bewusst zu sein. Wer leichtfertig seine Identität aufs Spiel setzt und sich anpasst, ohne zu hinterfragen, ob das Ziel der Anpassung auch anpassungswürdig ist, verkommt zur charakterlosen Windfahne.

Wir erleben das täglich in den politischen Diskussionen: Die Euro-Turbos, welche sich unbedingt der EU anschliessen wollen, weil sie nicht abseits stehen möchten, weil sie grundsätzlich immer dort mitmachen wollen, wo die grosse Masse hingeht. Offensichtlich stört sie die demokratischen Defizite dieser grossen Organisation nicht und sie haben schon längst vergessen, oder gar nicht gemerkt, dass die eigene Identität weit fortgeschrittener und demokratischer ist. Seine eigenen Qualitäten nicht wahrnehmen heisst, seine Identität verleugnen. Wer meint, ohne Geschichte auskommen zu können, verliert seine Identität und seine Wurzeln. Wer die Licht- und Schattenseiten seiner Identität kennt, ist auch bereit, für gewisse Werte einzustehen und sie nicht leichtfertig preiszugeben.
Gerade heute wo die Schweiz unter grossem internationalen Druck steht, müssten die Leute, welche allen fremden Einflüssen nachgeben wollen, sich fragen, was die eigentliche Motivation dieser Druckversuche sind, bevor sie die Resistenten in die braune Ecke stellen wollen.
Eine besondere Rolle in dieser Diskussion spielt die Wirtschaft. Diese hat gelernt, nur mit Anpassungsfähigkeit überleben zu können. In der heutigen globalisierten Welt, kann sie sich den Luxus von nationalen Eigenschaften nur dann leisten, wenn sie Vorteile bringen. Die heutige Wirtschaft, welche es offensichtlich verlernt hat, mittel- oder langfristig zu denken, ist viel zu schnell bereit, um des raschen Profites wegen, eigene Werte aufs Spiel zu setzen. Die Wirtschaft ist in dieser Diskussion um die eigene nationale Identität per Definition ein schlechter Ratgeber.
Der Mut zur eigenen Identität und Eigenart hat auch seinen Preis. Man kann nicht allen gefallen. Wer nicht jeden Blödsinn mitmacht, steht noch lange nicht abseits, er muss nur so viel Rückgrat haben, seine Position auch zu begründen und zu verteidigen.