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28 Februar 2010

HRM Krücken


Ich hatte einen Kollegen, der war ein ausgebildeter Schreiner. Da er von einer Teppichetagen-Tätigkeit träumte und eine ambitiöse Frau hatte, bildete er sich weiter und landete im Versicherungsaussendienst. Von dort gelang es ihm, Unter-nehmensberater zu werden. Leider genügte es in dieser Tätigkeit nicht, sich tadellos zu kleiden, bald gab es deshalb Probleme mit Kunden und Arbeitskollegen. Er musste sich weiterbilden und gelangte über die Jahre zu einer beindruckenden Liste von Diplomen. Seine Visitenkarte war überfüllt mit diesen Angaben, kaum konnte man noch den Namen finden. Doch im Beruf hat sich nicht viel verändert - nach wie vor war er das Ziel von Belustigungen, er war konstant überfordert und einfach geistig zu schwerfällig, um seine Aufgabe korrekt und effizient ausüben zu können.

Ob einer für einen Job etwas taugt, kann man sicherlich nicht aus seinen Diplomen ersehen.
Es muss deshalb verwundern, dass heute die Personalverantwortlichen solchen Wert auf diese oft unnützen Papiere legen. Könnte es daran liegen, dass sie sich damit absichern wollen, weil sie nicht in der Lage sind, die Spreu vom Weizen trennen zu können? Benutzen sie solche Diplome und die vordefinierten Jobprofile wie Check-listen, wo man einfach abhaken kann, was benötigt wird und wo man nichts mehr dazu denken muss?

12 Januar 2010

Administrationen


Die Schweiz hat sich zu einem Dienstleistungsanbieter entwickelt. Wenn man jedoch mit schweizerischen Dienstleistern zu tun hat, muss man sich fragen, was das soll?

• Der Servierer im Restaurant bringt es nicht einmal fertig, zu grüssen, ein Lächeln zu präsentieren, oder seine Speiseauswahl zu kennen.
• Die Krankenkassenmitarbeiterin, weiss nicht, dass die Prämien von Kanton zu Kanton unterschiedlich sind.
• Die Sachbearbeiterin, welche in einer BVG-Sammelstiftung arbeitet, weiss nach 10järhiger Tätigkeit immer noch nicht, was eine Wartefrist ist.
• Die Krankenkassenmitarbeiterin retourniert einen unterschriebenen Antrag zur Grundversicherung, weil auf der letzten Seite, welche nur die Zusatzversicherung betrifft, die Unterschrift fehlt.
• Die Mitarbeiter der Konto-Administration einer Bank, sind nicht in der Lage, ein Konto zu eröffnen, ohne die Chefin zu fragen, wie sie vorgehen müssen.
• Die Mitarbeiterin einer Telefongesellschaft weiss nicht, dass sie die automatischen Abläufe stoppen muss, solange sie mit einem Kunden in Verhandlung steht.
• Die Mitarbeiterin in der Steuerverwaltung denkt nicht daran, dass etwaige Mahnungen mit verbundenen Verzugszinsberechnungen auch gestoppt werden müssen, wenn die Grundforderung annuliert wird.
• Der Anwalt meint, wenn er nur die Form einer Eingabe bei Gericht beherrscht, dass ihn das bereits als Berater und Stratege in einer Gerichtssache qualifiziere.
• Von der zweifelhaften Qualifikation unserer Finanzberatern muss ich wohl nicht auch noch sprechen.

Diese wenigen Beispiele illustrieren, dass es um die Qualifikation unseres Dienstleistungspersonals mehr als schlecht steht. Erfahrung kann man nicht durch Checklisten und Computermasken ersetzen. Die Wirtschaft bringt es jedoch offenbar dennoch fertig, erfahrene Mitarbeiter durch billiges, unerfahrenes Personal auszutauschen.