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28 Februar 2010

HRM Krücken


Ich hatte einen Kollegen, der war ein ausgebildeter Schreiner. Da er von einer Teppichetagen-Tätigkeit träumte und eine ambitiöse Frau hatte, bildete er sich weiter und landete im Versicherungsaussendienst. Von dort gelang es ihm, Unter-nehmensberater zu werden. Leider genügte es in dieser Tätigkeit nicht, sich tadellos zu kleiden, bald gab es deshalb Probleme mit Kunden und Arbeitskollegen. Er musste sich weiterbilden und gelangte über die Jahre zu einer beindruckenden Liste von Diplomen. Seine Visitenkarte war überfüllt mit diesen Angaben, kaum konnte man noch den Namen finden. Doch im Beruf hat sich nicht viel verändert - nach wie vor war er das Ziel von Belustigungen, er war konstant überfordert und einfach geistig zu schwerfällig, um seine Aufgabe korrekt und effizient ausüben zu können.

Ob einer für einen Job etwas taugt, kann man sicherlich nicht aus seinen Diplomen ersehen.
Es muss deshalb verwundern, dass heute die Personalverantwortlichen solchen Wert auf diese oft unnützen Papiere legen. Könnte es daran liegen, dass sie sich damit absichern wollen, weil sie nicht in der Lage sind, die Spreu vom Weizen trennen zu können? Benutzen sie solche Diplome und die vordefinierten Jobprofile wie Check-listen, wo man einfach abhaken kann, was benötigt wird und wo man nichts mehr dazu denken muss?

08 Juni 2009

Rififi im EJPD


Über die Bundesverwaltung macht man öfters einmal Sprüche, ohne dass die kolportierten Geschichten unbedingt den Tatsachen entsprechen. Diese Geschichte hat sich jedoch zugetragen und ich berichte sie, weil sie einer staatlichen Administration unwürdig ist.
Im EJPD gibt es einen Informatik-Service, welcher auf spezifische und sicherheitskritische Informatik-Fachanwendungen spezialisiert ist. Bei der Informatik handelt es sich bekanntlich um eine Materie, welche sich sehr schnell erneuert. Offensichtlich zu schnell für die Bundesverwaltungsmentalität. Deshalb wird das verloren gegangene Fachwissen durch Hinziehen von externen Beratern kompensiert. In diesem Dienst sind es mittlerweile bereit über 50% der Arbeitenden. Die verbleibenden angestellten Mitarbeiter müssen mit so viel Konkurrenz dafür sorgen, dass ihre Pfründe nicht angetastet werden und es liegt ziemlich nahe, dass Vetternwirtschaft und Filz sich eingenistet haben. Wenn etwas schief läuft, wird die Geschichte unter den Teppich gewischt, im Keime erstickt und irgendein Sündenbock muss dann den Kopf hinhalten. Die jämmerliche Personalabteilung lässt sich dazu auch instrumentalisieren.

So wird hingenommen, dass es zu Übergriffen von externen Stellen in den Verantwortungsbereich eines Teamleiters kommen kann. Wenn dieser sich wehrt, wird er bestraft und in eine subalterne Funktion versetzt. Ausserdem bekommt er einen Verweis in seine Personalakte. Solche Vorfälle sind offenbar Tradition in diesem Dienst, und die verantwortlichen Chefs schweigen und vertuschen. Damit auch ja nichts nach draussen dringt, wird auf die Geheimhaltungspflicht hingewiesen, als ob dieses unprofessionelle Verhalten etwas damit zu tun hätte.

29 Mai 2009

Freudige Überraschung


Mein Vater starb vor 37 Jahren. Er hinterliess eine Firma, welche im Markt die Nummer 1 war, nicht zuletzt der hervorragenden Dienstleistungen wegen. Von der NZZ, als eine Goldgrube bezeichnet, war es eine unternehmerische Perle. Mein Bruder, welcher dann die Firmenleitung übernahm, verstand nichts von der hochkomplexen Materie und benützte die Firma, um seine eigene Pläne zu finanzieren. Er hat dann auch den väterlichen Firmenzweig mehr oder weniger vernachlässigt, wohl auch um seine eigenen Leistungen mit den neuen hinzugestossenen (gekauften) Firmen ins bessere Licht stellen zu können.
Bezüglich der väterlichen Firma trug ich seit Jahren innerlich Halbmast, doch nun kann ich die Flagge wieder aufziehen. Seit 4 Jahren hat diese Firma einen neuen Leiter und an seinem Beispiel kann man sehen, was ein qualifizierter Firmenboss, welcher mit Herzblut an seine Aufgabe geht, bewirken kann. Ich konnte die Firma vor einigen Tagen wieder besuchen und bin überglücklich, feststellen zu können, dass diese Firma nicht nur die alten unternehmerischen Werte pflegt, sonder damit auch in der heutigen Zeit Erfolg hat.

Führungskompetenz


Führungsqualitäten sind nicht jedem gegeben, auch wenn er über ein Universitätsstudium verfügt. Trotzdem findet man immer wieder Leute in Führungspositionen, welchen offensichtlich das nötige Rüstzeug fehlt. Ambitionen und starke Persönlichkeit genügen zur Ausübung von Führungsfunktionen noch längst nicht. Es braucht auch Integrität, Sozialkompetenz, Kenntnisse in Führungstechniken, Transaktionsanalyse, Organisationslehre und Konfliktmanagement.

Bildung


Ohne entsprechende Diplome kann man heute kaum mehr Arbeit finden. Bald wird es wohl auch ein eidg. zertifiziertes Diplom benötigen, um Sozialhilfe beziehen zu können. Mit all diesen Qualifikations-Nachweisen ist jedoch die Qualität der geleisteten Arbeit kaum besser geworden, im Gegenteil. Ich kann das bestens bei meiner Tochter beobachten, selbstverständlich diplomiert in bester Universität. Ihre Prüfungen hat sie bestanden, indem sie sich sehr gewissenhaft und konzentriert darauf vorbereitet hat. Dieses Wissen wurde mühsam auswendig gelernt, abgegeben und dann gleich wieder vergessen. Es heisst, «Bildung sei das, was bleibt, wenn man alles vergessen hat». Von solch auswendig gelerntem Wissen, welches nicht assimiliert und exzerziert werden konnte, bleibt in der Regel gar nichts.
In der Schweiz haben wir die Fachhochschulen, welche solchem Unsinn einen Riegel schieben könnten. Tatsächlich verfügen die Absolventen dieses Ausbildungsweges über die berufliche Erfahrung, welche den Absolventen der akademischen Universitäten meist abgeht. Mit der Bologna-Reform wurden die Diplome beider Bildungswege gleichgesetzt. Leider ist auch durch die Aufwertung der Diplome der Fachhochschulen die Qualität der geleisteten Arbeit nicht besser geworden. Man kann beobachten, dass die Absolventen dieser beiden Bildungswege vielfach ein Problem grundverschieden anpacken. Absolventen von Fachhochschulen gehen viel pragmatischer, jedoch oft unstrukturiert vor und beweisen oft erstaunliche Mängel über elementarste Kenntnisse aus anderen Fachgebieten. Auf der anderen Seite arbeiten Absolventen aus akademischen Universitäten konzeptioneller und verfügen meist auch immer einen viel weiteren Bildungshorizont, es fehlt ihnen jedoch oft am praktischen Bezug auf die Arbeitswelt.
Eine weitere Unsitte kann man in den berufsbegleitenden Zusatzausbildungen betrachten. Solche Weiterbildungskurse werden von zukünftigen Arbeitgebern geradezu gefordert, sollen sie doch die Bereitschaft zum Dazulernen beweisen. In der Regel beweisen solche Kurse vor allem eines: die Absenz des Mitarbeiters vom Arbeitsprozess. Der Arbeitgeber, bei dem der Mitarbeiter arbeitet, hat meistens nichts von solchen Zusatzausbildungen, denn dieses Zusatzwissen (zumindest der entsprechende Ausweis) wird in der Regel dazu verwendet, bei einem anderen Arbeitgeber eine besser bezahlte Tätigkeit zu erlangen.
Eigentlich liegt das Problem nicht an den Diplomen, sondern an der Ableitung von falschen Schlüssen. Diplome können nur Hinweise sein auf vorhandenes Wissen, sie können in keiner weise Aussage geben über die fachliche Qualifikation und die Problemlösungs-Kompetenz des Trägers solcher Diplome.

Nieten in Bern


In der Bundesverwaltung gibt es Betriebe, in welchen eigenartige Verhältnisse herrschen. So kann es vorkommen, dass in einem dieser Service Center mehr als die Hälfte der Mitarbeiter aussenstehende Berater sind. Sie werden sowohl als Serviceleister, wie auch in verantwortlichen Linienfunktionen eingesetzt. Die damit verbundene Gefahr, dass eine externe Beratungsfirma vorerst versucht, die Bindung an den Auftraggeber auszubauen, wird offenbar bewusst missachtet. Dazu kommen noch Vetterliwirtschaft und gravierende Verletzungen der Organisationsstruktur. Der Ausländeranteil ist erstaunlich hoch. Offenbar werden mangelnde Qualifikation, fehlende Verantwortungsbereitschaft und begrenzte technische Kenntnisse der angestellten Mitarbeiter durch Hinzuziehen der fremden Berater kompensiert.
Wenn jemand es wagt, diese Umstände zu kritisieren, wird er auf ein Abstellgleis gestellt. In einem mir bekannten Fall wurde ein verantwortlicher Teamleiter systematisch durch aussenstehende Stabstellen umgangen, indem diese Sitzungen mit seinem Team abhielten und Weisungen erteilten, ohne den Teamleiter zu informieren, oder auch nur ein Protokoll zu hinterlassen. Der verantwortliche Chef dieses Bereiches hatte an diesem Vorgehen offenbar nichts auszusetzen und war dem verantwortlichen Teamleiter mangelnde Flexibilität vor.

26 Februar 2009

Piraten


In letzter Zeit kann man viel lesen über somalische Piraten, welche durch die Kaperung von Schiffen Lösegeldforderung erpressen. Alle sind sich einig, dass man solches Tun nicht akzeptieren kann. Doch es gibt Piraten, welche genau gleich handeln, jedoch nicht verurteilt werden. Wenn jüdische Organisationen von Schweizer Banken mit fadenscheinigen Behauptungen Geld erpressen, wenn Amerika mit unbelegten Behauptungen ein ölreiches Land besetzt, weil es die USA anscheinend bedrohte, wenn Anlageberater die Dummheit ihrer Kunden ausnutzen, um zu Geldern zu kommen, dann sind das Piratenakte.
Die USA, als selbst ernannter Wächter über die Weltordnung, haben während Jahren ihre Defizite durch andere Länder finanzieren lassen. Selbst schuld könnte man sagen für die armen Dummen. Sie hätten es wissen müssen, sind jedoch auf die Versprechungen von hohen Gewinnen hereingefallen. Als ganz spezielle Verhöhnung des Betrogenen müssen jedoch all die Klagen empfunden werden, mit denen ausländische Geldinstitute, welche bereits mit ihren USA-Geschäften erhebliche Verluste einfahren mussten, noch zusätzlich zur Kasse gebeten werden sollen.
Jedes Mal, wenn der Stärkere die Schwäche eines anderen ausnutzt, dann benimmt er sich wie ein Pirat.

29 Januar 2009

Helsana

Mit der Einführung des KVGs wurden auf dem Personalmarkt unzählige Aussendienstmitarbeiter gesucht. Das hat sich auch heute noch nicht geändert; im der Versicherungssektor sucht die Krankenkassenbranche immer noch am meisten Leute. Offenbar kann man mit diesem Geschäft Geld verdienen.
Nun jammert der Chef der Helsana, dass es doch nicht angehe, dass die Kostensteigerung höher sei, als die Erhöhung der Prämien. Er müsse die Kosten gerecht an die Versicherten weitergeben können. Das Gleiche gilt aber auch umgekehrt. Als er noch mit zu hohen Prämien Reserven bilden konnte, hat er nicht reklamiert. Es ist doch völlig normal, dass Reserven in defizitären Jahren aufgebraucht werden. Aber offenbar hat die Helsana spekuliert, anstatt beim Kerngeschäft zu bleiben. Sie hat sich die Hände verbrannt, und die Prämienzahler sollen es nun richten.

Ganz unheimlich wird es, wenn man hören muss, dass nun die Kosten genauer unter die Lupe genommen werden müssen und die Schäden besser kontrolliert werden. Als ob die Helsana bisher die Schäden sehr kulant abgewickelt hätte. Viel mehr heisst das: Schäden, das heisst Behandlungen, werden in Zukunft schneller mal nicht bezahlt werden. Versicherungsgesellschaften können das Geschäftsergebnis mit einer unloyalen Schadenserledigungspraxis durchaus beeinflussen. Man lehnt die Bezahlung einer grossen Zahl von Behandlungen aus irgendeinem Vorwand ab. Die meisten Versicherten wagen es nicht, sich gegen die grosse Helsana aufzulehnen. Nach solchen Aussagen, tut jeder Helsana- Versicherte gut daran, schnellst möglich die Kasse zu wechseln.

Manager

In der Regel können die CO der Firmen gut kommunizieren. Das ist Voraussetzung, um die Quartalsergebnisse im richtigen Licht präsentieren zu können und auch die Mitarbeiter müssen bei Stange gehalten werden. Aus diesem Grunde sieht man all zu oft Verkäufertypen und Schaumschläger die Karriereleiter emporsteigen. Diese Typen können lügen, ohne zu erröten und jammern, wenn es nötig ist, nach dem Motto: «Lerne zu klagen, ohne zu leiden».
Im Moment jammern sie. Sie präsentieren Verluste, welche man schwerlich mit dem Betriebsergebnis erklären kann, die Rezession hat ja erst begonnen. Offenbar handelt es sich um Anlageverluste. Da muss man sich unweigerlich fragen, was die Rolle einer Unternehmung ist: Mit Spekulationen Geld verlieren, oder mit der Produktion und dem Handel von Waren und Dienstleistungen?
Mit der Präsentation dieser Verluste entlarven sich die Firmen selbst, sie tun das völlig schamlos und ohne zu realisieren, dass sie ihr eigenes Unvermögen damit eingestehen.

06 Januar 2009

Simonetta Sommaruga


Zugegeben, Ihre Züge widerspiegeln schon im Normalzustand nicht die Zufriedenheit einer Frau nach einer stürmischen Liebesnacht. Zugegeben, sie muss von Berufs wegen kritisch sein. Doch die ewige Meckerei von unserer Konsumentenschützerin, Simonetta Sommaruga, kann einem schon auf den Wecker gehen. Nun senkt die Coop die Preise und Frau Sommaruga kann sich darüber nicht freuen.

04 Dezember 2008

Unheimliche Buchhalter


Kürzlich gab es im Spiegel eine Titelgeschichte über Heinrich Himmler, über welchen kürzlich eine Biografie erschienen ist. In diesem Werk von Peter Longerich wird dargestellt, wie kalt und bürokratisch über das Leben und Schicksal von Menschen bestimmt wurde. Es gab ein logistisches Problem zu lösen und Himmler organisierte das, als ob es sich um irgendeine organisatorische Massnahme handeln würde.
Auch wenn man mir vorwerfen wird, dass solche Vergleiche unzulässig sind, kann ich mich nicht dagegen wehren, Parallelen in den heutigen Ankündigungen der CS über die Entlassung von 5600 Mitarbeitern zu sehen.
Offenbar völlig unbekümmert kündigt der Konzernchef Brady Dougan diese Massnahme an, als ob es lediglich darum ginge, Büroklammern durch Nadeln zu ersetzen.
Seit der Finanzkrise haben wir begonnen, die Qualifikation und das Urteilsvermögen unserer Top-Manager zu hinterfragen. Was mir jedoch viel dringender scheint, ist die Frage nach der Moralität und Ethik dieser Leute. Mit der gleichen Kaltschnäuzigkeit, wie hier Mitarbeiter entlassen werden, werden wohl auch Produkte verkauft, welche nichts wert sind. Hauptsache, der Umsatz stimmt und der nächste Quartalsgewinn.

19 November 2008

Marcel Ospel

Wenn ich mich schäme Schweizer zu sein, dann geschieht das immer dann, wenn sich die Volksmeinung wieder einmal über ein Opfer hermacht. In der Regel sind es nicht die Schlechten oder die Bösen, sondern die Grossen und Mächtigen, welche missfallen.
Alfred Escher hat heute zwar ein Denkmal vor dem Zürcher Bahnhof. Doch auch er musste erleben, was öffentliche Verfolgung bedeutet. Lucas Mühlemann, Christoph Blocher, Daniel Vasella und Marcel Ospel.

Was bewegt die Schweizer, sich immer auf jene einzuschiessen, deren Köpfe über die Masse hinausragen? Ist es unser Hang zum Mittelmass, oder einfach Eifersucht?
Marcel Ospel hatte viel Ehrgeiz und Visionen. Damit hat er die UBS gross gemacht, hat viel Geld verdient und viel Steuern generiert. Schon beim Swissair-Grounding wurde er von der Volksmeinung verurteilt. Dabei stellte sich später heraus, dass er genau das Gegenteil gemacht hatte, was ihm vorgeworfen wurde.
Marcel Ospel glaubte an die amerikanischen Märkte. Er war beileibe nicht alleine mit seiner Meinung. Seine Visionen waren vom Verwaltungsrat abgesegnet und von vielen kopiert worden. Alle wollten mitverdienen, obwohl man schon lange Zeichen hatte, dass der amerikanische Markt auf wackligen Füssen stand.
Das Kartenhaus ist zusammengebrochen und nun wissen es alle besser. Um der eigenen Verantwortung zu entkommen, braucht es Sündenböcke. Marcel Ospel muss dafür herhalten. Nun soll er seine Boni zurückzahlen. Dabei scheint mir die Forderung reichlich spät zu kommen. Denn Marcel Ospel hat sich nur schon dadurch seine Boni reichlich verdient, als er als Sündenbock hinhalten und all die Häme und den Hass erleiden muss.

Vertrauen

Man hört es überall im Moment, das Vertrauen sei zerstört in unsere Banken. Der Staat müsse helfen, das Vertrauen wieder herzustellen. Kürzlich hatte Beat Kappeler in der NZZ am Sonntag auf sehr explizite Weise erklärt, wie sehr unser Finanzsystem auf Vertrauen beruht. Nur kommt es mir vor, dass uns das Vertrauen schon längst abhanden gekommen ist.
Früher hiess es noch, das Kapital eines Geschäftsmannes sei sein Wort. Heute haben wir nicht zuletzt von amerikanischen Verhältnissen gelernt, für jede Handlung und jedes Geschäft seitenlange Verträge auszuarbeiten.
Jeder kennt sie die Verträge der Mobiltelefon Gesellschaften, welche so geschrieben sind, dass man sie erst dann liesst, wenn es zu spät ist. Kein vernünftiger Mensch würde solche Bedingungen akzeptieren, wenn er sie tatsächlich zur Kenntnis genommen hätte.
Bei Versicherungen hiess es einst, dass das geschenkte Vertrauen eine Verantwortung sei. Damit ist es längst vorbei. Das «Kleingeschriebene» heisst es und man meint, dass die Verträge so geschrieben sind, dass man sie nicht verstehen könne. Die Verantwortung der Versicherungen wird dann auch so wahrgenommen, wie man es ihnen unterstellt. Im Schadenfall muss man heute bei vielen Gesellschaften sehr gut beraten sein, um noch eine Leistung zu bekommen.
Das missbrauchte Vertrauen beginnt wohl mit den Methoden des modernen Marketings. Wer kennt sie nicht die leeren Versprechungen der Werbung, die Verpackungen, welche Inhalte suggerieren, die nicht vorhanden sind. Damit die Werbung glaubhafter wirkt, werden Zeugen, bekannte Leute genommen, oder Herren mit weissen Kitteln und Damen mit langen Beinen. Da muss das Produkt ja gut sein. Neu, Besser - schon Coluche wusste, dass das neue Persil weisser als weiss wäscht. Früher hiesse es, man könne dem Juden nicht trauen, weil er sein Wort nicht halte und weil er nur auf das schnelle Geschäft aus sei. Sind wir in diesem Sinne nicht alle Juden geworden?
Es geht nicht nur um Vertrauen in die Finanzkrise, es geht letztlich um gesellschaftliche Werte, um eine gesellschaftliche Organisation, wo man entscheiden will, ob der Staat mangels Vertrauen in seine Bürger, alles kontrollieren und reglementieren soll, oder ein System, in dem man den Leuten möglichst viele individuelle Freiheiten erlaubt, weil man ihnen vertraut. Letzteres funktioniert jedoch nur, wenn die Leute sich dieser Verantwortung bewusst sind und sich entsprechend benehmen.

Unternehmerische Verantwortung

In der Arena Sendung über die Möglichkeit einer vorzeitigen Pensionierung, meinte der Arbeitgebervertreter, Thomas Daum, dass damit dem Arbeitsmarkt nötige Arbeitskräfte entzogen würden. Mir geht diese Aussage nicht aus dem Kopf, denn sie demonstriert eine gefährliche Tendenz unserer Firmenführer, welche auf ein völliges Fehlen an unternehmerischer Verantwortung schliessen lässt.
Erzkapitalisten des 19. Jahrhunderts, wie Alfried Krupp, bauten Arbeiterwohnungen und fühlten sich für ihre Belegschaft verantwortlich. Für die heutigen Arbeitgeber sind die Arbeitnehmer nur noch ein Kostenfaktor in der Bilanz geworden. Dabei werden sie nicht in den Aktiven verbucht, sondern im Aufwand.
Der Arbeitsmarkt soll die menschliche Ware zur Verfügung stellen. Man holt sich dort, was man im Moment braucht und entlässt es gleich wieder, wenn die Kosten die Erfolgsmeldungen über Betriebsergebnis trüben könnten.
Ältere Arbeitnehmer haben es schwer, noch eine Stelle zu finden und müssen sich unwürdigen Prozeduren unterwerfen, um überleben zu können. Gemäss Herr Daum sollen sie jedoch Gewehr bei Fuss zuwarten, um bei einer allfälligen Austrocknung des Arbeitsmarktes noch einmal gebraucht werden zu können. Das Wort Arbeitsmarkt müsste man eigentlich wie das Wort Neger als entwürdigend betrachten und dessen Gebrauch verbieten.
Méfie-toi des méfiants! Arbeitgeber, welche den Wert Ihrer Mitarbeiter so niedrig einschätzen, dass sie jederzeit entlassen werden können, beweisen damit ihre Geringschätzung ihrer Mitarbeiter. Offensichtlich schliessen sie von sich selbst auf andere. Loyalität, Kompetenz und Erfahrung sind in der heutigen Wirtschaft keine unternehmerischen Werte mehr. Alle sprechen von den überrissenen Boni und stören sich daran. Doch das Skandalöse an diesen Managern ist nicht die zu hohe Entlöhnung, sondern ihr Verhalten gegenüber der Firma, das kurzfristige Denken und ihre menschenverachtende Personalpolitik.

12 Juli 2007

Checklisten

Mit meiner Krankenkasse musste ich über lange Zeit streiten, weil die dermassen unqualifiziertes Personal beschäftigt, dass meine Sachbearbeiterin nicht einmal wusste, dass es unterschiedliche Prämien von Kanton zu Kanton gibt. Ich hatte in einem Jahr acht verschiedene Policen erhalten, sieben davon waren falsch. Das hat die Inkasso-Abteilung nicht daran gehindert, mich zu betreiben. Die Prämien wurden immer auf der Basis einer bereits revidierten Fassung gemahnt. Der Inkassomitarbeiter war nicht ansprechbar, er verstand nur was auf seinem Bildschirm angezeigt wurde.

Auch beim Steueramt Zürich gibt es diese rechthaberischen, unqualifizierten Mitarbeiter, welche nur noch Kreuzchen ausfüllen können. Ich wurde gemahnt für ausstehende Bundessteuern, welche auf einer Taxierung basierten, welche schon längst geändert wurde. Die Inkasso-Mitarbeiterin wollte von meinem Einwand nichts wissen, für sie ist ausschlaggebend, was auf ihrem Bildschirm vermerkt ist. Auf die Idee, dass man sich ja einmal intern informieren könnte, kommt sie nicht, das steht ja alles auf dem Bildschirm. Sie weiss offenbar nicht einmal, das Bundessteuern auf der kantonalen Veranlagung basieren. Im Übrigen könne sie nach der Betreibung nichts mehr ändern. Diese erfolgte allerdings 4 Monate nachdem die kantonale Steuerbehörde die Einschätzung geändert hatte.

Der Revisor meiner AHV-Augleichskasse kennt den Unterschied zwischen AHV (Brutto)-Lohn und Nettolohn nicht.

Die Kassiererin in der Coop Filiale, jung und hübsch, ist völlig gelähmt, wenn sie zwei einfache einstellige Beträge im Kopf zusammenzählen muss. Sie bringt es nicht fertig.

Der Journalist, welcher im Nebenberuf Briefe für andere schreibt und Werbetexte verfassen will. Da steht tatsächlich: « ..ich kann auf Papier bringen, was in ihrer Brust wogt ....» und jemandem anrufen anstatt jemanden.

Der Informatiker, welcher nicht weiss, wie man die Sprache auf seinem keyboard einstellen kann, um das ß einzugeben.

Die Teamleiterin vom Elektrizitätswerk, welche nicht antwortet und auch telefonisch nie erreichbar ist, da sie immer an Sitzungen ist.

Die Softwarefirma, welche ihre Produkte nur noch über Internet verkauft und deren Homepage so kompliziert konzipiert ist, dass es Stunden und Tage braucht, bis man endlich eine Antwort findet (leider stellt sich heraus, dass diese auch nicht richtig war und dass man das falsche Produkt gekauft hat).

Man kann diese Erfahrungen alle auf den gleichen Nenner bringen: Unqualifizierte, überforderte Mitarbeiter. Die Arbeitgeber haben in den letzten Jahren laufend Kosten optimiert, erfahrene Mitarbeiter durch unerfahrene ersetzt, in der irrigen Meinung, es genüge, denen eine Software zur Verfügung zu stellen, wo sie ihre benötigten Informationen erhalten könnten.

Durch den Einzug der Informatik in die Arbeitswelt sind Checklisten zur Arbeitsgrundlage der Benutzer geworden. Es wird ihnen alles schön fein säuberlich vorverdaut aufgeschrieben, an was sie sich erinnern müssen. Natürlich hat das zur Folge, dass die Benutzer sich daran gewöhnen, Ihren Verstand nicht mehr zu gebrauchen und einfach die Checkliste abhaken, ob das nun Sinn macht oder nicht.

Das Resultat ist allerdings nicht überzeugend und die Wirtschaft wäre gut beraten, bei Kontakt mit Kunden, Leute einzusetzen, welche auch wissen, was sie machen und was sie den Kunden erzählen.

Die Kosten-Optimierer machen alles kaputt. Wegen kurzfristigen Resultaten, wird langfristig der Arbeitsplatz Schweiz ruiniert.