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08 März 2010

Politik


Ein trauriges Spektakel schweizerischer Politik konnten wir diese Woche erleben. Bei der Abzockerinitiative sind sich in der Sache alle einig. Doch wen es darum geht, Lösungen zu finden, dann geht plötzlich gar nichts mehr. Da lassen sich die Parteien nur noch von parteipolitischem Kalkül leiten. Auf konstruktive Ansätze der Konkurrenzpartei wird schon gar nicht mehr eingegangen, man vermutet ohnehin nur Kalkül dahinter, um Stimmen fangen zu können. «Misstraue misstrauischen Leuten». Niemand ist mehr bereit, dem anderen seine Worte zu glauben. Jeder ist bereit, den anderen in die Pfanne zu hauen und vermutet das gleiche Verhalten beim andern. So kann man keine Probleme lösen und man muss sich fragen, was aus unserer Demokratie geworden ist.
Das andere Trauerspiel konnten wir gestern mit der Abstimmung über den Umwandlungssatz erleben. Zugegeben, das Problem ist komplex und die wenigsten haben wohl einen Durchblick. Da hält man sich lieber an Clichés, Behauptungen und Halbwahrheiten.

22 Februar 2010

Raubritter


Während Jahrhunderten wurde die Welt durch die Stärkeren regiert. Erst mit dem Entstehen der Demokratien wurden die Rechte der Schwächeren, der Minderheiten und Andersdenkenden akzeptiert.
Obwohl durch die Übertragung des Machtmonopols an den Staat für diesen die Versuchung entstehen kann, solche Macht auch zu missbrauchen, schienen sich diese Missbräuche in den westlichen Demokratien in Grenzen zu halten. Leider kann jedoch in letzter Zeit eine Tendenz zu Machtmissbrauch, Druck unter Staaten, Erpressung und Nichtanerkennung der Souveränität anderer Staaten wieder festgestellt werden. Jeder kennt den imperialen Machtanspruch von China, der USA, welcher ihre Gesetzgebung anderen Staaten aufzuzwingen versuchen. Doch in letzter Zeit haben auch die europäischen Staaten damit begonnen, andere kleinere Staaten unter Druck zu setzen und deren Gesetze zu missachten.
Das jüngste Beispiel ist Deutschland, welches in solchen Methoden eine unrühmliche Vergangenheit hat und sich gerade deshalb lange Zeit als Musterschüler benommen hatte. Heute jedoch kann ein deutscher Minister verkünden: «Wir werden das Bankgeheimnis abschaffen». Gemeint ist das Bankkundengeheimnis in der Schweiz. Wie Deutschland die schweizer Gesetzgebung in die Hände zu nehmen gedenkt, hat allerdings nichts mit Respekt des anderen zu tun. Was sich selber nützt, ist erlaubt und der Zweck heiligt die Mittel.
Wir sind nun wieder in den Zeiten des Raubrittertums angelangt, als gut bewaffnete Reiterbanden, die Reisenden ausnahmen, welche sich nicht zu wehren wussten.

06 November 2009

Minarette


Die Minarett-Initiative scheint mir ein Nachzug-Gefecht zu sein. Längst haben wir die Waffen gestreckt und uns überrollen lassen von fremden Kulturen und Millionen von Einwanderern. Dabei können uns unsere vertrauten Kirchtürme kaum helfen, der Wahrheit in die Augen zu schauen. Solange die Kirchtürme im Dorf stehen und die Glocken läuten, scheint bei uns die Welt noch in Ordnung zu sein, auch wenn die dazu gehörenden Gotteshäuser längst leer bleiben.

Unsere Vorfahren haben noch gekämpft, um unsere Kultur zu erhalten. Die Muslime kamen von Spanien her bis nach Poitiers und im Osten bis nach Wien. Damals kamen sie bewaffnet, heute als Arbeitnehmer, Asylsuchende und einfach so….
Doch der Kampf der Kulturen betrifft nicht nur unsere christliche Kultur, er zeigt sich auch in der fortschreitenden Uniformisierung unserer Gesellschaft. Dass dabei das amerikanische Modell diskussionslos übernommen wird, kann nur beunruhigen.
Mittlerweile geht es längst nicht mehr darum, dass man unsere Kinder im Oberwallis kaum mehr von den Kids in Minnesota unterscheiden kann, weder an ihrem Verhalten, den Essgewohnheiten, noch an den Kleidern. Die Uniformisierung hat längst auch unser Konsumverhalten, die Firmen mit ihrer amerikanisierten Personalpolitik, die Presse und unsere Ausbildungsstätten erreicht. Das Marketing bestimmt unser Leben, im Konsum, in der Politik und in der Kultur.

Was mich am meisten beunruhigt, ist der Umstand, dass heute das schnelle Geschäft überall dem nachhaltigen Wirtschaften vorgezogen wird. Die Verpackung und das Versprechen ist wichtiger geworden, als die Erfüllung der Verpflichtungen. Wir werden überall angelogen und mit falschen Versprechen in die Irre geführt, ohne dass dieses Verhalten geächtet würde. Man stellt sich einfach darauf ein. Unsere Gesellschaft ist dabei, sich zurückzuentwickeln in die Zeiten des Raubrittertums. Klauen, Erpressen und Betrügen gehören zu unserem heutigen Gesellschaftsbild.
In diesem Einheitsbrei dürften einige Minarette wohl geradezu wohltuend auf etwas Andersartigkeit hinweisen.

29 Mai 2009

Nieten in Bern


In der Bundesverwaltung gibt es Betriebe, in welchen eigenartige Verhältnisse herrschen. So kann es vorkommen, dass in einem dieser Service Center mehr als die Hälfte der Mitarbeiter aussenstehende Berater sind. Sie werden sowohl als Serviceleister, wie auch in verantwortlichen Linienfunktionen eingesetzt. Die damit verbundene Gefahr, dass eine externe Beratungsfirma vorerst versucht, die Bindung an den Auftraggeber auszubauen, wird offenbar bewusst missachtet. Dazu kommen noch Vetterliwirtschaft und gravierende Verletzungen der Organisationsstruktur. Der Ausländeranteil ist erstaunlich hoch. Offenbar werden mangelnde Qualifikation, fehlende Verantwortungsbereitschaft und begrenzte technische Kenntnisse der angestellten Mitarbeiter durch Hinzuziehen der fremden Berater kompensiert.
Wenn jemand es wagt, diese Umstände zu kritisieren, wird er auf ein Abstellgleis gestellt. In einem mir bekannten Fall wurde ein verantwortlicher Teamleiter systematisch durch aussenstehende Stabstellen umgangen, indem diese Sitzungen mit seinem Team abhielten und Weisungen erteilten, ohne den Teamleiter zu informieren, oder auch nur ein Protokoll zu hinterlassen. Der verantwortliche Chef dieses Bereiches hatte an diesem Vorgehen offenbar nichts auszusetzen und war dem verantwortlichen Teamleiter mangelnde Flexibilität vor.